Gerichtsverfahren zu Verlustrückforderungen aus der Zeit des Online-Glücksspielverbots in Deutschland

Devon Keller · May 28, 2026

Gerichtsverfahren zu Verlustrückforderungen aus der Zeit des Online-Glücksspielverbots in Deutschland

Gerichtssaal in Deutschland mit Fokus auf Glücksspielrecht und laufende Verfahren vor deutschen und europäischen Gerichten

Ausgangslage der Klagen

Deutsche Spieler aus dem Zeitraum 2012 bis 2021 reichen derzeit Klagen bei verschiedenen deutschen Gerichten sowie beim Europäischen Gerichtshof ein und fordern Rückerstattungen von Einsätzen und Gewinnen aus nicht lizenzierten Online-Casinos, während der damalige Glücksspielstaatsvertrag ein flächendeckendes Verbot für Online-Glücksspiele vorsah und die Betreiber nach Auffassung der Kläger keine rechtliche Grundlage besaßen, um Beträge einzubehalten. Die Verfahren laufen parallel und betreffen mehrere hundert Fälle, deren Ausgang im Mai 2026 noch offen bleibt, doch erste Entscheidungen könnten Betreiber mit Haftungssummen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro belasten, falls die Richter den Argumenten der Kläger folgen.

Rechtliche Argumentation der Kläger

Die Kläger stützen ihre Forderungen darauf, dass der damalige Staatsvertrag Anbieter ohne deutsche Lizenz daran hinderte, rechtmäßig Verträge abzuschließen, weshalb Einsätze und Gewinne als ohne Rechtsgrund erhalten galten und daher zurückzuzahlen seien, während Gerichte prüfen, ob dieses Vorgehen mit EU-Recht vereinbar ist und ob nationale Verbote grenzüberschreitende Dienste unzulässig einschränken. Einige Verfahren haben bereits Vorabentscheidungsersuchen an den EuGH weitergeleitet, wo Richter klären sollen, inwieweit das Verbot mit den Grundfreiheiten des Binnenmarkts kollidiert und welche Konsequenzen für bestehende Rückforderungsansprüche entstehen.

Entwicklungen in deutschen Instanzen

Landgerichte und Oberlandesgerichte in mehreren Bundesländern verhandeln aktuell Sammelklagen und Einzelverfahren, in denen Spieler detaillierte Kontoauszüge vorlegen und nachweisen, dass sie während der Verbotszeit bei ausländischen Plattformen gespielt haben, während Anwälte der Kläger auf bestehende Urteile verweisen, die ähnliche Rückforderungen bereits in Teilbereichen bestätigten und Betreiber dazu verpflichteten, Beträge auszuzahlen. Die Verfahren ziehen sich über mehrere Instanzen hinweg, da Beklagte mit Verweis auf EU-Rechtskonformität und Verjährungsfragen Einspruch erheben, doch Beobachter registrieren eine Zunahme eingereichter Klagen seit Beginn des Jahres 2026.

Potenzielle finanzielle Auswirkungen

Branchenanalysen schätzen, dass erfolgreiche Klagen zu Gesamtverpflichtungen von mehreren hundert Millionen Euro führen könnten, da Tausende Spieler aus dem genannten Zeitraum potenziell Ansprüche geltend machen und die Betreiber dann gezwungen wären, sowohl Einsätze als auch ausgezahlte Gewinne zu erstatten, während Versicherungen und Rückstellungen der betroffenen Unternehmen diese Summen derzeit nur teilweise abdecken. Die genaue Höhe hängt von den EuGH-Entscheidungen ab, die voraussichtlich im Laufe des Jahres 2026 ergehen und damit weitere Verfahren in deutschen Gerichten beeinflussen.

Europäischer Gerichtshof in Luxemburg während einer Verhandlung zu Glücksspielrecht und grenzüberschreitenden Dienstleistungen

EU-rechtliche Herausforderungen

Die zentrale Streitfrage dreht sich um die Vereinbarkeit des deutschen Verbots mit EU-Grundfreiheiten, insbesondere der Dienstleistungsfreiheit, und Kläger argumentieren, dass das Verbot unverhältnismäßig war und daher keine Grundlage für die Einbehaltung von Geldern darstellt, während Beklagte auf nationale Kompetenzen im Bereich des Glücksspiels verweisen und auf frühere EuGH-Urteile zu ähnlichen Regelungen in anderen Mitgliedstaaten pochen. Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs aus den vergangenen Jahren zeigen, dass nationale Verbote unter bestimmten Bedingungen zulässig bleiben, doch die aktuelle Fallkonstellation könnte zu einer Präzisierung führen und die Rechtslage für Rückforderungen klären.

Reaktionen von Betreibern und Verbänden

Betroffene Unternehmen haben angekündigt, alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen und auf bestehende Verträge sowie auf die damalige Praxis der Aufsichtsbehörden zu verweisen, während Branchenverbände darauf hinweisen, dass rückwirkende Haftungen die Planungssicherheit für lizenzierte Anbieter untergraben könnten und weitere Klagen nach sich ziehen. Einige Plattformen haben bereits Vergleichsangebote an Kläger unterbreitet, um langwierige Prozesse zu vermeiden, doch die Mehrzahl der Fälle bleibt vor Gericht anhängig und wird die Entwicklung im Mai 2026 weiter beobachten.

Ausblick auf kommende Entscheidungen

Experten rechnen damit, dass erste EuGH-Vorabentscheidungen im Sommer 2026 vorliegen und damit den Weg für weitere Urteile in deutschen Instanzen ebnen, während parallel laufende Verfahren vor dem Bundesgerichtshof zusätzliche Klarheit schaffen könnten. Die Ergebnisse werden nicht nur die betroffenen Spieler und Betreiber betreffen, sondern auch die Ausgestaltung künftiger Regulierungen beeinflussen, da Gerichte die Balance zwischen Verbraucherschutz und EU-Binnenmarktregeln neu bewerten.

Fazit

Die laufenden Verfahren vor deutschen Gerichten und dem EuGH werfen grundlegende Fragen zur Rechtswirksamkeit des früheren Online-Glücksspielverbots auf und könnten im weiteren Verlauf des Jahres 2026 zu erheblichen finanziellen Belastungen für die betroffenen Anbieter führen, falls die Richter den Rückforderungsansprüchen stattgeben. Die Entscheidungen werden die rechtliche Bewertung vergangener Transaktionen maßgeblich prägen und die Praxis grenzüberschreitender Glücksspieldienste in der Europäischen Union weiter formen.