Regionale Unterschiede prägen die Umsetzung des Glücksspielstaatsvertrags 2021 in den Bundesländern
Hugo Müller · Jun 1, 2026

Regionale Unterschiede prägen die Umsetzung des Glücksspielstaatsvertrags 2021 in den Bundesländern

Deutschlands föderales System mit seinen 16 Bundesländern führt weiterhin zu spürbaren Abweichungen bei der praktischen Anwendung des Glücksspielstaatsvertrags 2021, obwohl die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder als zentrale Koordinierungsstelle fungiert, und diese Variationen betreffen vor allem die Durchsetzung von Vorschriften sowie die Prioritäten in den Bereichen Werbung und Spielerschutz.
Die föderale Struktur als Ursache für Umsetzungsunterschiede
Der GlüStV 2021 schafft zwar einen bundesweiten Rahmen für die Regulierung von Glücksspielen, doch die eigenständige Gesetzgebungskompetenz der Länder erlaubt es den einzelnen Bundesländern, spezifische Aspekte der Umsetzung eigenständig zu gestalten, während die GGL für die Lizenzvergabe und die übergeordnete Marktüberwachung zuständig bleibt, und diese Aufteilung führt in der Praxis zu unterschiedlichen Handhabungen bei der Kontrolle von Anbietern.
Beobachter stellen fest, dass einige Länder strengere Auflagen für lokale Veranstaltungen erlassen, während andere den Fokus stärker auf die Integration digitaler Angebote legen, und diese Unterschiede entstehen, weil die Länderparlamente eigene Ausführungsgesetze verabschieden können, die den nationalen Vertrag ergänzen oder präzisieren.
Inkonsequenzen bei der Bekämpfung illegaler Anbieter
Die Durchsetzung von Maßnahmen gegen nicht lizenzierte Betreiber variiert erheblich zwischen den Bundesländern, denn während einige Regionen verstärkt auf technische Sperren und Kooperationen mit Zahlungsdienstleistern setzen, zeigen andere Länder eine zurückhaltendere Vorgehensweise bei der Verfolgung grenzüberschreitender Angebote, und diese Inkonsistenzen ergeben sich aus unterschiedlichen Ressourcenzuweisungen sowie abweichenden politischen Schwerpunkten in den Landesinnenministerien.
Experten haben beobachtet, dass die GGL zwar länderübergreifende Ermittlungen koordiniert, die tatsächliche Umsetzung von Sanktionen jedoch auf Landesebene erfolgt, und dadurch entstehen regionale Lücken, die illegale Anbieter teilweise ausnutzen können.
Unterschiedliche Schwerpunkte bei Werbung und Spielerschutz
Die Prioritäten der Bundesländer in Bezug auf Werbebeschränkungen und Maßnahmen zum Spielerschutz weichen voneinander ab, denn einige Länder legen großen Wert auf strenge Werbeverbote in öffentlichen Räumen und umfassende Sperrsysteme, während andere Bundesländer flexiblere Regelungen für Online-Werbung bevorzugen und den Spielerschutz stärker über freiwillige Selbstverpflichtungen der Anbieter steuern, und diese Abweichungen spiegeln sich in den jeweiligen Landesgesetzen wider, die den GlüStV 2021 konkretisieren.
Die GGL überwacht die Einhaltung der Werberichtlinien auf nationaler Ebene, doch die Kontrolle lokaler Werbemaßnahmen bleibt den Landesbehörden überlassen, und dadurch entstehen Situationen, in denen Werbekampagnen in einem Bundesland zulässig sind, während sie in einem Nachbarland eingeschränkt werden.

Laufende Überprüfung des Glücksspielstaatsvertrags
Der GlüStV 2021 befindet sich seit seiner Einführung in einer kontinuierlichen Evaluierungsphase, wobei die Länder gemeinsam mit der GGL Anpassungen prüfen, die auf die identifizierten Umsetzungsunterschiede reagieren sollen, und diese Überprüfung zielt darauf ab, einheitlichere Standards für die Lizenzierung sowie die Bekämpfung illegaler Angebote zu entwickeln, ohne die föderale Kompetenzverteilung grundsätzlich zu verändern.
Im Juni 2026 werden weitere Beratungen der Ministerpräsidentenkonferenz erwartet, die sich mit den Ergebnissen der laufenden Marktanalysen befassen sollen, und diese Sitzungen könnten zu konkreten Vorschlägen für Nachbesserungen am Vertrag führen, die dann von den Landtagen umgesetzt werden müssen.
Marktdaten zu lizenzierten Betreibern und Bruttospielerträgen
Die GGL hat bis 2025 mehr als 30 Betreiber mit einer Lizenz ausgestattet, und der regulierte Markt erzielte im Jahr 2024 einen Bruttospielertrag von über 13 Milliarden Euro, wobei diese Zahlen die zunehmende Kanalisierung von Spielaktivitäten in legale Angebote belegen, und die Daten stammen aus Berichten der GGL, die regelmäßig über die Entwicklung des Marktes informiert.
Die Verteilung der lizenzierten Anbieter auf die verschiedenen Sparten wie Sportwetten, Online-Casino und Lotterien zeigt regionale Unterschiede in der Akzeptanz, denn einige Länder verzeichnen höhere Anteile an lizenzierten Sportwettenangeboten, während andere Bundesländer stärker auf klassische Lotterieprodukte setzen, und diese Muster ergeben sich aus den jeweiligen landesspezifischen Ausführungsvorschriften.
Schlussfolgerung
Die Kombination aus nationaler Koordination durch die GGL und landesspezifischen Umsetzungsspielräumen schafft ein komplexes Regulierungsumfeld, in dem die 16 Bundesländer trotz gemeinsamer Vertragsgrundlage unterschiedliche Akzente setzen, und die laufende Überprüfung des GlüStV 2021 bietet die Möglichkeit, bestehende Inkonsistenzen bei der Durchsetzung sowie bei Werbe- und Schutzmaßnahmen schrittweise anzugehen, während die Marktdaten aus 2024 und 2025 die Fortschritte bei der Lizenzierung dokumentieren.